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Home > 207 Die Presse in Deutschland |
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Nachkriegspresse2. Die Presse unter den Alliierten 1945-49J.P/ Payne, Presse in der Bundesrepublik Deutschland, Lancaster University Press, 1997/2001 Nach dem Zweiten Weltkrieg sahen es die Siegermächte - die Sowjets, Amerikaner, Franzosen und Briten - als ihre Aufgabe, die Deutschen politisch umzuerziehen. Sie wollten ihnen demokratische Verhaltenweisen beibringen - die Sowjets hatten selbstverständlich eine ganz andere Vorstellung von Demokratie als die westlichen Alliierten - und mit der deutschen Vergangenheit völlig brechen. Zuerst durften Deutsche überhaupt nicht journalistisch tätig sein - es gab nur von den Alliierten veröffentlichte Nachrichtenblätter. Allmählich aber bekamen ausgesuchte Deutsche eine Lizenz von den Alliierten, eine Zeitung herauszugeben. Die Alliierten kontrollierten die neuen Veröffentlichungen. Jeder, der während des Dritten Reiches journalistisch tätig gewesen war, durfte nicht mehr als Journalist arbeiten. (Dieses Arbeitsverbot wurde von manchen Deutschen für sehr unfair gehalten. Es traf auch Journalisten, die selber von den Nazis verfolgt worden waren!) Zeitungen, die während des Dritten Reichs veröffentlicht wurden, auch wenn sie keine Nazizeitungen waren, durften nicht weiter erscheinen. Wenn Zeitungen Dinge veröffentlichten, die den Alliierten mißfielen, wurden sie scharf gerügt oder sogar suspendiert. Bei den westlichen Alliierten gaben die Amerikaner den Ton an. Von den Journalisten in ihrer Besatzungszone verlangten sie Objektivität, worunter sie eine deutliche Trennung von Nachrichten und Kommentaren* verstanden. Die Deutschen erinnerten sich noch an die Zeitungen der Weimarer Republik. Viele der Zeitungen damals veröffentlichten Berichte, in denen die Haltung des Autors deutlich zum Vorschein kam. Einige Deutsche waren der Meinung, daß es besser gewesen wäre, an diese vornazistische Zeitungstradition anzuschließen. Sie waren mit der von den Amerikanern verlangten neuen Richtung in der Presse gar nicht zufrieden. Um so überraschender war es also, als sich die neue, amerikanische Tradition später durchsetzte. Nach der Lizenzzeit* wurden mehr Zeitungen nach dem neuen Muster gekauft, als Zeitungen Weimarer Stils. Die meisten Zeitungen in der BRD heute setzen noch den 'amerikanischen' Zeitungsstil fort (einen Stil, dem man auch in den britischen 'quality papers' begegnet). Fast alle bekannten Zeitungen, die jetzt in der BRD erscheinen, wurden in den Jahren kurz nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet, darunter die Frankfurter Rundschau, Der Tagesspiegel (Berlin), Die Welt (ursprünglich Hamburg, jetzt Bonn), die Süddeutsche Zeitung (München), Die Zeit (Hamburg). Jetzt, zu einer Zeit, wo die BRD wieder ökonomisch und politisch stark geworden ist, ist es schwierig, sich die Lage in den Nachkriegsjahren vorzustellen. Die meisten Großstädte lagen in Ruinen, Verkehrsverbindungen waren zum Teil zerstört, Lebensmittel waren knapp, viele Menschen waren vermißt oder heimatlos. (Siehe Kasten 13.) Auch die Presse litt unter schwierigen Verhältnissen : - es mangelte an Druckmaschinen, an Redaktionsgebäuden und vor allem an Zeitungspapier. Aber was noch schlimmer war: - es gab zu wenig erfahrene Journalisten, die vom Standpunkt der Alliierten politisch akzeptabel waren. Dieser Mangel an Journalisten führte dazu, daß junge Deutsche schnell ausgebildet werden mußten. Ein bestimmter junger Deutscher wollte Dichter und Dramatiker werden. Weil er aber nach dem Krieg sein Brot verdienen mußte, bewarb er sich um eine Journalistenstelle bei einer für Deutsche geschriebenen englischen Militärzeitung in Hannover. Wie er selber später schrieb, bestand die Anstellungsprüfung darin, 'eine eben zerschnittene Zeitung nach Art eines Puzzle-Spiels wieder zusammen(zu)setzen'! Er bekam die Stelle und fing an, als Journalist zu arbeiten. Später hatte er die Gelegenheit, ein neues, von den Briten gegründetes Nachrichtenmagazin selber zu übernehmen, unter der Bedingung , daß er innerhalb von wenigen Stunden einen neuen Namen dafür finden sollte. Auf diese Weise kam eine der bekanntesten Presseinstitutionen der BRD zustande - Der Spiegel. (Siehe den Bericht des jungen Journalisten, Rudolf Augstein, der uns eine Einsicht in die damaligen Verhältnisse gibt - Anhang 6.) Deutsche Zeitungen, die im Zeitraum 1945-49 in den britischen, französischen und amerikanischen Zonen erschienen, mußten zuerst eine Vorzensur und später eine Nachzensur erdulden . Das heißt, in der Frühphase ihrer Existenz wurde jede Ausgabe den zuständigen Militärbehörden vorgelegt, dort durchgelesen und entweder für den Druck freigegeben, oder nicht. Später wurden die Zeitungen erst nach ihrem Erscheinen von den Behörden kontrolliert und eventuelle Verstösse gegen militärische oder sonstige Regelungen gerügt oder bestraft. Die Zensur hielten die Alliierten für einen nötigen Teil ihres Programms, die Deutschen nach der Hitler-Diktatur zur Demokratie umzuerziehen. Obwohl die Herausgeber* und Journalisten sich von der Zensur unterdrückt fühlten, hatten sie in finanzieller Hinsicht kaum Sorgen. Die Deutschen hatten damals nicht nur zu wenig zu essen, sie litten auch an 'Nachrichtenhunger'. Auch Zeitungen waren Mangelware ; die Deutschen kauften deshalb alle, die zur Verfügung standen (und verwendeten sie nachher zum Einwickeln von Gegenständen , weil auch Packpapier schwer zu bekommen war!) Die Journalisten nannten diese Periode die 'goldene Käfigzeit': Am 21. September 1949 wurde die sogenannte 'Lizenzpflicht' von den westlichen Alliierten aufgehoben, und die Deutschen konnten selber Zeitungen gründen und ohne Zensur herausgeben. Sehr viele neue Zeitungen erschienen innerhalb von wenigen Monaten. Die sogenannten 'Altverleger' (Unternehmer , die während der Nazi-Zeit Zeitungen herausgegeben hatten, und die zum Teil noch Druckmaschinen und Zeitungsgebäude besaßen) wurden wieder aktiv. Aber die neuen Verleger*, die erst nach 1945 Zeitungen veröffentlicht hatten, wurden von den Alliierten kräftig unterstützt. Auch wenn sie nach Ablauf von Mietverträgen , Druckereien und Redaktionsgebäude an die Altverleger zurückgeben mußten, bekamen sie von den Alliierten Kredite zur Weiterveröffentlichung ihrer Blätter. Es wurde für die Altverleger daher schwieriger, den Vorsprung einzuholen, den die 'Lizenzzeitungen' hatten. Viele neue Zeitungen überlebten nicht lange. Nur auf dem Gebiet der sogenannten 'Heimatpresse' - Lokalzeitungen mit begrenztem Verbreitungsgebiet - hatten die Altverleger viel Erfolg. Den westlichen Alliierten war es also gelungen, die Presse in der BRD von Grund auf zu verändern. Kasten 13 Norbert Frei, in 'Presse', in Benz, W., Die Bundesrepublik Deutschland - Geschichte in drei Bänden, (Frankfurt/M, 1983, S. 275-318), faßt die Eigenschaften des bundesdeutschen Journalismus, die aus der amerikanischen beruflichen Praxis stammen, folgenderweise zusammen: 'Klare Trennung von Kommentar und Nachrichten auch bei der Provinzpresse; moderne Gestaltung von Nachrichtentexten; Anwendung journalistischer Stilformen wie Reportage und Feature (ein bildkräftiger, stark subjektiv gefärbter Bericht); verstärkte Berichterstattung über lokale, regionale und "human interest"-Themen; schließlich, jedenfalls bei großen Zeitungen und Zeitschriften, die Entwicklung eines investigativen Journalismus (...)' |
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