Geschichte der Presse
Woche 2: Vorlesung: Die Presse im Dritten Reich
Zusammenfassung
1. Presse in der Weimarer Republik
- liberale Zeitungen wie Die Frankfurter Zeitung, Die Vossische Zeitung,
Das Berliner Tageblatt
2. Wie sah Hitler die Presse?
-Adolf Hitler, 1924: 'Man pflegt gerade in Journalistenkreisen die Presse
gerne als eine Großmacht im Staate zu bezeichnen. Tatsächlich ist ihre
Bedeutung denn auch eine wahrhaft ungeheuerliche. Sie kann überhaupt gar
nicht überschätzt werden... ' (Blüm, E. & Engelsing, R., Die Zeitung,
Bremen: Schünemann, 1967, S.239)
-1927: Herausgabe von 'Angriff'
3. Aufgaben des Reichministerium für Volksaufklärung und Propanda unter
Goebbels:
- Reichsministerium für Propaganda und Volksaufklärung:
Goebbels wird Reichspropagandaleiter
- Reichsleiter für Presse: Max Amman
Zitat 1:
'Wie ich schon betont habe, soll die Presse nicht nur informieren, sondern
auch instruieren. Ich wende mich dabei vor allem an die ausgesprochen
nationale Presse. Meine Herren! sie werden auch einen Idealzustand darin
sehen, daß die Presse so fein organisiert ist, daß sie in der Hand der
Regierung sozusagen ein Klavier ist, auf dem die Regierung spielen kann,
daß sie ein ungeheuer wichtiges und bedeutendes Massenbeeinflußungsinstrument
ist, dessen sich die Regierung ... bedienen kann.' (in Joseph Wulf, Presse
und Funk im Dritten Reich. Eine Dokumentation. Güterlohn, Mohn, 1964,
S.63, zitiert in Payne, 1997)
4. Eingriffe in die Pressefreiheit
- Verbot kommunistischer und sozialdemokratischer Zeitungen
- ökonomische Konzentration
- Aus- und Gleichschaltung: Stillegungen
5. Die Gleichschaltung der Presse
- 4 Oktober 1933 wurde das Schriftleitergesetz verabschiedet.
Zitat 2: Auszug aus dem Schriftleitergesetz von 1933:
* 5 Zulassung zum Schriftleiterberuf:
Schriftleiter kann nur sein, wer
1. die deutsche Reichsangehörigkeit besitzt
2. die bürgerlichen Ehrenrechte und die Fähigkeit zur Bekleidung öffentlicher
Ämter nicht verloren hat,
3. arischer Abstammung ist und nicht mit einer Person von nichtarischer
Abstammung verheiratet ist,
4. das 21 Lebensjahr vollendet hat,
5. geschäftsfähig ist,
6. fachmännisch ausgebildet ist,
7. die Eigenschaften hat, die die Aufgabe der geistigen Einwirkung auf
die Öffentlichkeit erfordert.
Zitat 3: Aus der Presseanweisung vom 22 Oktober 1936:
'Es muß immer wieder festgestellt werden, daß in der deutschen Presse
noch Nachrichten und Schilderungen erscheinen, die geradezu von einer
selbstmörderischen Objektivität triefen und in keiner Weise verantwortet
werden können. Man will keine Zeitungsgestaltung im alten liberalistischen
Sinne, sondern will, daß jede Zeitung mit den Grundsätzen des nationalsozialistischen
Staatsaufbaus in eine Linie gebracht wird. So ist es untragbar, wenn Sowjetgrößen,
die Juden sind, als Arbeiter bezeichnet werden. Bei einer Wiederholung
der Vorkommnisse müssen wir den Schluß ziehen, daß der verantwortliche
Schriftleiter den Anforderungen des Schriftleitergesetzes nicht entspricht
und die notwendigen Maßnahmen gegen ihn treffen.'
(zitiert in Meyn, H., Massenmedien in der Bundesrepublik Deutschland,
Berlin: Colloquium Verlag, 1996, S. 33)
Zitat 4: Aus der Anweisung der Reichsregierung vom 29 April 1943: 'Im
übrigen muß natürlich auch der Jude in der deutschen Presse nunmehr politisch
herhalten. Es muß bei jeder Sache festgestellt werden, die Juden sind
schuld! Die Juden wollten den Krieg! Die Juden bereiteten in der Welt
den Krieg gegen Deutschland vor! Der Jude verschärft den Krieg! Der Jude
gewinnt am Krieg! Und immer wieder ist der Jude schuld! Darüber hinaus
müssen natürlich auch Meldungen, die nicht von vornherein eine antisemitische
Möglichkeit bieten, zu einer solchen antisemitischen Propaganda-Aktion
gemacht werden... Es ist die Pflicht der ganzen deutschen Presse, in die
hier aufgezeigte antisemitsiche Aktion einzusteigen.
(zitiert in Meyn, H., Massenmedien in der Bundesrepublik Deutschland,
Berlin: Colloquium Verlag, 1996, S. 34)
6. Die Reichspressekonferenzen
Zitat 5:
'Selbstverständlich sollen Sie hier Informationen bekommen, aber auch
Instruktionen. Sie sollen nicht nur wissen, was geschieht, sondern sollen
auch wissen, wie die Regierung darüber denkt und wie Sie das am zweckmäßigsten
dem Volk klar machen können.'
Zitat 6:
Anweisung aus der Reichspressekonferenz vom 17 Juli 1933: 'Das Propagandaministerium
erwartet, daß es zeitlich irgendwie einzurichten ist, daß die Rede des
Reichspropagandaministers, die er heute abend im Rundfunk hält, im Wortlaut
gebracht wird.'
'Anweisung vom 4. Mai 1936:
'Über die Einfuhr von Vollblutpferden soll nichts berichtet werden.'
Anweisung vom 26. Januar 1937:
'Eine westdeutsche Zeitung hatte sich polemisch mit Thomas Mann befaßt.
Dies wird als absolut unerwünscht bezeichnet. Thomas Mann soll ausgelöscht
werden aus dem Gedächtnis aller Deutschen, da er nicht würdig ist, den
Namen Deutscher zu tragen.'
Anweisung Nr. 348
'Botschafter v. Rippentrop hat gestern einem Autounfall erlitten. Seine
älteste Tochter ist bei diesem Unfall schwer verletzt worden. Der Botschafter
selbst ist unverletzt. Über diesen Vorfall soll in der deutschen Presse
nicht berichtet werden.'
Anweisung Nr. 821
'Die Formulierungen 'katholisches Volk', 'Kirchenvolk', 'evangelisches
Volk' sind unbedingt zu vermeiden. Es gibt nur ein deutsches Volk, und
die Zeitungen haben unter allen Umständen zu vermeiden, Artikel und Berichte
anzufangen mit dem Hinweis: 'Wir Katholiken..' Diese Anweisung ist ausdrücklich
vom Propagandaministerium ergangen. Alle Zeitungen, die dagegen verstoßen,
werden belangt.'
Anweisung Nr. 211
'Der Vollzug der Hinrichtungen ist nunmehr für das ganze Reich einheitlich
geregelt worden. In Zukunft werden alle Delinquenten mit dem Fallbeil
hingerichtet. Die Hinrichtungen finden nur in einigen wenigen Orten Deutschlands
zentral statt. Damit der Ruf dieser Orte nicht geschädigt wird durch allzu
häufige Nennung, werden in Zukunft die Hinrichtungsmeldungen keine Ortsangabe
mehr enthalten, sondern nur noch den Ort des erkennenden Gerichts.'
Zitat 7: Auszug aus Oron J. Hale, 'the Captive Press' (Princeton, 1964,
S. 246-7)
Twice daily the so-called press conference was held in the propaganda
ministry at which the 'Tagesparole' of the Reich Press Chief was released
with endless commentaries. Taken down stenographically and placed at our
desks for guidance, the material amounted daily to ten or twelve closely
typed pages, containing many prohibitions and few permissions. It prescribed
the treatment of the specified themes with regard to space, tone, headlines
and placement down to the last detail. [...] During the war, when the
Völkischer Beobachter described Roosevelt as a 'gangster', 'criminal'
or 'idiot', these expressions did not come from the vocabularies of the
editors but were officially prescribed. [...] From 1933 onward editors
became more and more simply rubber stamps for officially stated views,
placing their mark on the daily copy to indicate that they had worked
the material, and nothing more. [...] During the war these conditions
steadily worsened.'
7. Auflagen der NS-Zeitungen
- siehe Meyn, 1999
8. Die Frankfurter Zeitung, die Vossische Zeitung, das Berliner Tageblatt
- Gab es Kritik am Staat?
Zitat 8:
'Wer nicht von dieser geistigen Erkrankung ergriffen ist, der kann die
Verheerung, die sie in den Hirnen der von ihr Befallenen anrichtet, nur
noch mit einer Art von nüchterner wissenschaftlicher Neugierde betrachten.'
(in Frei, N., Schmitz, J. Journalismus im Dritten Reich, München: Beck,
1989, S. 40)
9. Das Ergebnis der nationalsozialistischen Pressepolitik
Zitat 9: William Shirer schrieb:
Berlin, 7.9 1940
Today's statement of the German High Command, obviously forced upon it
by Hitler himslef - he often takes a hand in writing the official army
communiques - deliberately perpetrates the lie that Germany has only decided
to bomb London as a result of the British first bombing Berlin. And the
German people will fall for this, as they fall for almost everything they're
told nowadays. Certainly never before in modern times - since the press,
and later the radio, made it theoretically possible for the mass of mankind
to learn what was going on in the world - have a great people been so
misled, so unscrupulously lied to, as the Germans under this regime.'
( zitiert in Payne, 1997)
Vokabular:
der Ausgangspunkt - starting point
das Gegenbild - opposite
das Propagandainstrument - instrument of propaganda
die Massenbeeinflussung - influencing the masses
die Volksaufklärung - popular enlightenment
die Anweisung - instruction
die Sprachregelung - literally: language ruling
die Gleichschaltung - bringing into line
|