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Home > 207 Die Presse in Deutschland

Gegenwärtige Struktur

Lectures

Die gegenwärtige Struktur der Presse

1. Stellenwert der Zeitungen in Großbritannien und in der BRD

- Welche Zeitungen gibt es?

- Wann erscheinen sie? Wie oft?

- Politische Orientierung

2. Finanzielle Lage der Zeitungen

3. Pressekonzentration - Vor- und Nachteile

4. Genauere Besitzstruktur

 

Die wichtigsten englischen Zeitungen?

National Papers: Guardian, Independent, Times, Daily Telegraph,

Daily Express; Daily Mail; Daily Mirror; Sun; Daily Star;

Sonntagszeitungen: Observer; Sunday Times; Telegraph; Express, Mail on Sunday; News of the World; sunday Mirror;

Regionale Zeitungen: z.B.: Manchester Evening News, …

Auflagenzahlen: welches sind die meist gekauften Zeitungen in England?

Wenn man in Deutschland eine Zeitung kaufen will, wird man schier erschlagen von der Auswahl, die es an den vielen bunten Zeitungskiosken, Zeitungsläden und in Pressehäusern wie Montanus zum Verkauf angeboten werden. Wir wollen jetzt nicht auf die vielen speziellen Zeitschriften eingehen, wir wären nächste Woche noch nicht fertig damit, wir wollen uns auf Zeitungen konzentrieren, und hauptsächlich auf Publikationen, die täglich erscheinen. Wir haben später noch eine Vorlesung zu den Wochenzeitungen.

- Qualitätszeitungen:

SZ;

Im Seminar haben wir über die Gründung durch die Amerikaner gesprochen. Sie war nicht nur die erste Regionalzeitung im süddeutschen Raum, die von den Amis die Lizenz erhielt, auch heute noch verkauft sie zwei Drittel ihrer Auflage in Oberbayern.. Gelobt wird an der Süddeutschen vor allem die Qualität der Reportagen, mithin die Seite Drei und das Streiflicht, die tägliche Glosse auf der Titelseite. Man bemüht sich, innerhalb der Meinungsartikel verschiedene Meinungen durchkommen zu lassen.

FAZ;

geführt von einem fünfköpfigen Herausgeberkollegium und zwei Geschäftsführern. Zu den Lesern gehören leitende Angestellte aus Verwaltung und Behörden, Führungspersonal aus Betrieben sprich Manager. Sie hat das größte Korrespondentennetz im In- und Ausland, und außer Politik findet man hauptsächlich Themen aus der Wirtschaft. Konservativen Werten verpflichtet, kann man sie zwischen Süddeutscher und Welt einordnen.

Welt;

von den Engländern an der Times gemodellt, wurde 1955 vom Springer Verlag gekauft.streng konservativ, staatsloyal und verfassungstreu. 'Die Orientierung am atlantischen und europäischen Westen und an der wirtschaftlichen Selbstverantwortung besitzt für sie den Rang von Lebenswerten'.

FR;

1945, dann zwei Herausgeber: Kommunist Arno Rudert und Sozialist Karl Gerold. Seit 1975 gehört die Zeitung zu zwei Dritteln einer Stiftung, so daß bei ihr nicht einfach über Nacht der Besitzer wechselt und die politische Linie des Blattes geändert werden kann. Links-liberal, tritt sie für 'eine ständige Reform unseres Gemeinwesens ein, um es im Zuge der gesellschaftlichen Entwicklung moderner, liberaler und sozial gerechter zu gestalten'. Sie will öffentliche Mächte kontrollieren, tritt für die Rechte von Minderheiten ein, lehnt Gewalt ab. Leser sind jünger als bei der SZ oder FAZ.

TAZ;

das größte deutsche selbstverwaltete Unternehmen ohne Unternehmer, mit einer Redaktion ohne Leitungsstrukturen und gleichgestellten Mitarbeitern. Berichterstattung ist hauptsächlich auf Innenpolitik, Umwelt und Energiepolitik, aud Soziales und Gleichstellung der Frau sowie Schutz von Minderheiten ausgerichtet.

Handelsblatt

Holtzbrinck Verlagsgruppe, Europas größte deutschsprachige Wirtschafts- und Finanzzeitung. halbe Million Leser, da 5-6 Leser eine Ausgabe lesen. Die Zeitung tritt 'für die Erhaltung der Grundsätze einer freien Wirtschaftsordnung ein, aufgebaut auf der Freiheit des Unternehmens.'

- Boulevardzeitungen:

Bild:

Bild hat einen Marktanteil von ca 21 Prozent aller Tageszeitungen und 77 Prozent der Straßenverkaufszeitungen in Deutschland.

Regionale Boulevardzeitungen: Express/Köln, Morgenpost/Hamburg, B.Z. Berlin, Abendzeitung/München

 Ausländerpresse:

-Hürriyet (100 000), Milliyet, türkisch

-Vjesnik, Vecernji jugoslawisch

-Akropolis, Makedonia griechisch

 

-Sonntagszeitungen

tagesaktuelles Geschehen; mehr Hintergrundberichte

BaS, , WaS; eigenständige Redaktionen;

Sonntag Aktuell (Stuttgart);

Berliner Morgenpost

Frankfurter Allgemeine Zeitung…

 

- Wochenzeitungen

Zeit;

1946 Lizenz an Brucerius von GB, liberal: eigentlich drei Zeitungen: Politik: gedämpfte Mitte; Feuilleton: links; Wirtschaft: konservativ;

 Die Woche, 1997 mit der Wochenpost vereinigt;

Das Parlament, berichtet über Arbeit der Regierung;

 Nachrichtenmagazine: Spiegel; Focus

Zeitschrift: Stern;

 Ein wichtiger Unterschied zwischen der deutschen und der englischen Presse liegt bei den regionalen Zeitungen: in GB sind sie meist von niedriger Qualität, in Deutschland haben viele regionale Zeitungen ein hohes Niveau, z. B. die Stuttgarter Zeitung, Westdeutsche Allgemeine Zeitung. Die regionalen Zeitungen konkurrieren mit den überregionalen Zeitungen, sind also aus diesem Grund von hoher Qualität.

 

Was läßt sich aus den Auflagenzahlen auf die Stellung dieser Zeitungen in der BRD schließen?

 Jeden Tag werden ca. 32,7 Millionen Exemplare (Stand 95) verkauft, und wohl auch gelesen. Das heißt, auf 1000 Bundesbürger kommen 400 Zeitungsexemplare. in Frankreich sind es nur 200, in Italien nur 115. Nur GB hat eine größere Zeitungsdichte mit etwa 480 Exemplaren. Doch der Schein trügt etwas. Im internationalen Vergleich scheint das Zeitungsangebot auf den ersten Blick sehr vielfältig. Doch sind nur wenige der vielen Zeitungen im allgemeinen politischen Teil selbständig geschrieben worden. Ende 1954 gab es 225 publizistische Einheiten = Vollredaktionen, 1989, also vor der Wiedervereinigung, gab es 119 publizistische Einheiten, die in 1344 Ausgaben erscheinen und zusammen von 358 Verlagen herausgegeben wurden. (Pürer, Raabe) Damit ist Deutschland das titelreichste Zeitungsland Europas, was vor allem an der Vielfalt an Tageszeitungen, vor allem an regionalen und lokalen Ausgaben liegt.

Mehr als 32 Millionen Menschen werden jeden Tag mit Nachrichten, aber auch mit Meinungen, Kommentaren konfrontiert. Nicht jeder wird davon beeinflußt, aber ein Teil der Bevölkerung wird durch das Zeitungslesen in seinem Denken von diesem Material beeinflußt. Und wenn es nur die Hälfte der Zeitungsleser sind, dann sind das immer noch 13 Millionen Menschen.

Man sieht also, daß Zeitungen eine große Reichweite in der BRD, ja in der modernen Gesellschaft haben, und damit einen gewissen Einfluß und eine gewisse Wichtigkeit.

Die Aufgaben der Presse haben wir schon im ersten Seminar besprochen, kurz zur Wiederholung: sie sollen die Öffentlichkeit informieren, sie sollen der Allgemeinheit dienen - die öffentliche Aufgabe; sie sind aber auch Teil der Geschäftswelt - sie wollen Gewinne, Profit machen, sprich viel Geld verdienen.

 Finanzierung von Zeitungen: Nach Angaben des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger erzielten 1989 bundesdeutsche Tageszeitungen einen Umsatz von 11,84 Mrd. DM, zwei Drittel kamen aus den Einnahmen aus dem Anzeigengeschäft, nur ein Drittel wird aus dem Verkauf erwirtschaftet.

Hauptsächlich finanzieren sich also Zeitungen aus Anzeigeneinnahmen, aus der Werbung also. Je höher die Leserzahlen, desto höher die Anzeigenpreise. Auch hängen Anzeigenpreise von der Reichweite der Zeitung ab. Wenn eine Zeitung viel Geld mit Anzeigen verdient, kann sie die Zeitung für den Leser billiger machen, bekommt dadurch wahrscheinlich mehr Leser, kann vielleicht auch ein anspruchsvolleres journalistisches Produkt anbieten. Es besteht also eine Wechselwirkung zwischen den beiden Märkten, wie sagt man so schön: it's big business!

 Große Zeitungen können daher viel Geld machen.

Kleinere Zeitungen haben da mehr Probleme, sie machen in der Regel keinen großen Profit aus Anzeigen. Finanziell gesehen, ist es für kleinere Zeitungen sinnvoller, wenn sie einem großen Verlag mitangehören.

Große Verlage besitzen oft eine große Zeitung und viele kleinere; die große macht den Profit, und kann so die kleinere, oder andere mitfinanzieren.

Unabhängige, alleinstehende Zeitungen haben es schwer, mit anderen Zeitungen Schritt zu halten, zu konkurrieren, weil es ihnen an Geld fehlt.

Kleine Zeitungen, die einer größeren angehören, überleben in der Regel, sterben also nicht aus.

 

Die Tendenz in der deutschen Presse ist jedoch eine Konzentrationstendenz.

Es gibt weniger unabhängige Zeitungen als früher.

 Tab.: Die Entwicklung der Tageszeitungen von 1954 bis 1992

* Angaben einschließlich des Gebietes der früheren DDR

Jahr

Zahl der Verlage

Ausgaben

Publizistische Einheiten

verkaufte Auflage

(in Millionen)

1954

624

1500

225

13,4

1964

573

1495

183

17,3

1976

403

1229

121

19,5

1985

382

1273

126

20,9

1989

358

1344

119

20,3

1991*

410

1673

158

27,3

1992*

394

1620

143

26,5

 Quelle: Walter J. Schütz, 'Deutsche Tagespresse 1991', Media Perspektiven, Heft 2/1992

 

Was ist eine publizistische Einheit? - eine Zeitungsgruppe, eine Zeitungsfamilie, ein Zeitungskollektiv

Es gibt mehr Zeitungstitel als Zeitungen, die wirklich unabhängig von einander in selbständigen Redaktionen sind.Oft beziehen mehrere Zeitungen ganze Zeitungsteile von einer einzigen Redaktion. Welchen Nachteil hat diese Pressekonzentration?

 Vorteil ist natürlich, daß kleinere Zeitungen weiterhin am Leben bleiben. Nachteil ist jedoch, daß jede publizistische Einheit dieselben Nachrichten bringt, daß auch die geliche politische Linie von allen Mitgliedern der Zeitungsfamilie vertreten wird.

Die Pressevielfalt wird dadurch natürlich eingeschränkt, was natürlich nicht so toll ist für eine freie demokratische Presse.

Pressekonzentration hat also Vor- und Nachteile.

Wie sieht also die Besitzstruktur der deutschen Presse aus?

Wie in GB auch, liegt die Zeitungsmacht in den Händen einiger weniger.

Der zweitgrößte Medienanbieter der Welt ist die Bertelsmann Gruppe, zwar weniger auf dem Gebiet der Tageszeitungen tätig, .. 

Auf dem Gebiet der Tages- und Sonntagszeitungen hat der Springer Verlag immer noch die führende Position: 30 % des Tageszeitungsmarktes, 60 % bei den Sonntagszeitungen. Außerdem noch Rundfunkzeitschriften (Hör zu) und Beteiligung an SAT1.

Andere Verlage:

Zeitungsgruppe Westdeutsche Allgemeine Zeitung, Essen - 5 %

Verlagsgruppe Süddeutscher Verlag - 3,2%

-Verlagsgruppe DuMont Schauberg - 4,5 %

-Verlagsgruppe Stuttgarter Zeitung/Rheinpfalz/Südwestpresse - 5 %

 

 

 

Britische Tageszeitungen: Auflage in Tausend

Qualities

1980

1985

1988

Daily Telegraph (1855)

1,433

1,202

1,128

The Times (1785)

316

478

436

The Guardian (1821)

379

487

438

The Independent (1986)

 

 

387

 

 

Middle Market

1980

1985

1988

Daily Express (1900)

2,194

1,902

1,637

Daily Mail (1896)

1,948

1,815

1,759

Today (1986)

 

 

548

  

Mass Market

1980

1985

1988

Daily Mirror (1903)

3,625

3,033

3,157

Sun (1970)

3,741

4,125

4,119

Daily Star (1978)

1,034

1,455

967

 

Sunday Papers

1980

1985

1988

Observer (1979)

929

736

722

Sunday Times (1822)

1,419

1,251

1,314

Sunday Telegraph (1961)

1,003

689

693

Sunday Express (1918)

2,989

2,449

2,033

Mail on Sunday(1982)

 

1,621

1,919

News of the World

4,198

5,103

5,360

Sunday People (1843)

3,846

2,962

2,743

Sunday Mirror (1915)

3,831

3,999

2,993

 

Deutsche Zeitungen

Tageszeitungen

1988

1996

 

Auflage in

tausend

Qualitätszeitungen

 

 

 

 

 

Frankfurter Allgemeine Zeitung (1949)

354

378,2

Die Welt (1946)

221

207,6

Süddeutsche Zeitung (1945)

372

374,5

Frankfurter Rundschau (1945)

192

174,8

 

 

 

Tageszeitung (TAZ)

 

60,3

Handelsblatt

 

129,3

Neues Deutschland

1 094

?

 

 

 

Boulevardzeitungen

 

 

Bild-Zeitung (1952)

4,462

4,606

 

 

Sonntagszeitungen

1988

1996

 

 

 

Bild am Sonntag

2,432

2,584

Welt am Sonntag

357

374,9

Sonntag Aktuell (Stuttgart)

 

902

Berliner Morgenpost

 

274,6

 

 

Wochenzeitung

1988

1996

 

 

Die Zeit

469

477,6

Die Woche

 -

116 (95)

Das Parlament

?

102

 

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